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Die
Entwicklungsgeschichte |
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Europa Afrika Vorderasien Indien Amerika Ozeanien und Australien Fazit Literatur Anmerkungen |
LENOCH versucht in seiner Dissertation die kulturhistorischen Grundlagen und Beziehungen eines Kulturelementes, des Wurfholzes, zu erarbeiten und dabei sowohl zeitliche als auch räumliche Aspekte zu berücksichtigen und miteinander zu verbinden. Das 1. Kapitel in LENOCHs Arbeit beschäftigt sich damit, die Begriffe Wurfholz und Bumerang voneinander abzugrenzen. Die folgenden Kapitel sind geographisch nach Ländern und Regionen geordnet. Zur Entstehung, Entwicklung und Begriffsbestimmung von Wurfholz und Bumerang Der Gebrauch
des Wurfholzes ist seit der Jungsteinzeit (ab ca. 5000 v.Chr.) durch
Felsmalereien belegt. Funde aus dieser Zeit sind schwer Es verlor seinen Charakter als Kampfwaffe, sobald die Kultur eine höhere Entwicklungsstufe erreichte. Das Wurfholz entwickelte sich an mehreren Stellen der Erde unabhängig voneinander. LENOCH geht bei seinen Untersuchungen davon aus, daß ein Untersuchungsgegenstand (wie Wurfholz bzw. Bumerang) durch Funktion, Form und Material bestimmt wird. ist damit unmittelbar mit den jeweiligen Umweltbedingungen und dem Entwicklungsstand des entsprechenden Volkes verknüpft. Die Umweltbedingungen setzen das Vorhandensein von geeignetem Material (hier: Holz) mit einer gewissen Härte, ausreichender Elastizität und einer in natürlichen Krümmung verlaufenden, nicht unterbrochenen Maserung voraus. Hinzu kommt die Existenz von Tieren, die gejagt werden konnten und das technische Niveau, das zur Herstellung und Bedienung dieser Waffen Voraussetzung war. Es verlor
seinen Charakter als Kampfwaffe, sobald die Kultur eine höhere
Entwicklungsstufe erreichte. Das Wurfholz entwickelte sich an mehreren
Die Umweltbedingungen setzen das Vorhandensein von geeignetem Material (hier: Holz) mit einer gewissen Härte, ausreichender Elastizität und einer in natürlichen Krümmung verlaufenden, nicht unterbrochenen Maserung voraus. Hinzu kommt die Existenz von Tieren, die gejagt werden konnten und das technische Niveau, das zur Herstellung und Bedienung dieser Waffen Voraussetzung war. LENOCH beschreibt das Wurfholz wie folgt: Das Wurfholz ist ein flugfähiges, gekrümmtes Holzstück mit oder ohne Griffbildung. Es wird in der Regel geworfen, wobei es in der Luft rotiert, kann aber gelegentlich auch zum Schlag benutzt werden. Im Gegensatz zur Wurfkeule kennt das Wurfholz keine Konzentration der Treffwirkung. Nur die zum Werfer zurückkehrende Variante heißt Bumerang. Mit seiner
Beschreibung des Gerätes grenzt LENOCH den Begriff Wurfholz"
von anderen Begriffen wie Wurfkeule"oder Wurfstock"
ab. Bei der Wurfkeule ist die Trefferwirkung meist im distalen Ende
konzentriert, während der Wurfstock ein
beim Wurf rotierender, gerader, meist an beiden Seiten zugespitzter
und mit der Spitze Bereits im zweiten Kapitel über Europa kommt LENOCH zu einem unserer Meinung nach entscheidenden Ergebnis, in dem er festlegt, wo die historischen Ursprünge des Bumerangs zu lokalisieren sind. Wir haben uns aus diesem Grunde an dieser Stelle nicht allein mit der Niederschrift von LENOCHS Darstellungen begnügt, sondern sind seinen Quellentexten nachgegangen, um die Beweiskraft seiner Kernaussage zu hinterfragen. Im Anschluß schildern wir seinen geographischen Abriß. Die Erfindung des Bumerangs wird allgemein den Australiern zugesprochen, jedoch ist sie nach LENOCHs Ansicht eher für Indien und den alten Orient wahrscheinlich und für Alteuropa sogar erwiesen. Er bezieht sich damit auf zwei historische Texte, im wesentlichen aber auf den von ISODORUS HISPALENSIS, dem damaligen Bischof von Sevilla. Dieser schrieb im 7.Jhdt. in seinen ORIGINES": Die Begriffe
in Klammern weisen auf abweichende Textstellen zum Originaltext der
ISODORI" hin. Eine mögliche Übersetzung des Textes
- hier von Beate Rodenberg - lautet: Erläuterungen
(z.T. aus kritischem Kommentar): Bereits bei der Auswertung dieser Textstelle wird klar, wie groß der interpretatorische Spielraum ist. Beachtenswert ist jedoch allemal, daß sowohl anerkannte englische als auch deutsche Fachwörterbücher die Möglichkeit einräumen, daß dieser Bericht die Beschreibung eines Bumerangs enthält. Die Existenz von Bumerangs im damaligen Europa wird also durchaus für möglich gehalten. Gleichermaßen muß jedoch ebenfalls eingeräumt werden, daß mythische Helden und Götter häufig Waffen tragen, die stets von allein zurückkehren. Die Maßangabe von einer halben Elle - zur damaligen Zeit der kleinwüchsigeren Menschen etwa 22cm - spricht allerdings bei der Schwere des beschriebenen Gerätes nicht gerade dafür, daß es sich bei der cateia um ein Kehrwiederholz gehandelt hat. Eine zweite
von LENOCH herangezogene historische Textstelle hilft diesbezüglich
nicht weiter, da letztlich ungeklärt bleibt, was eine cateia ist.
Caius Silius Italicus schreibt (Übersetzung B.R.): Im folgenden haben wir versucht, die Texte LENOCHS mit kartographischer Hilfe im Überblick zu erfassen.
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| EUROPA | |||
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Älteste Belege (Felsmalereien) für den Gebrauch des Wurfholzes gibt es aus dem Jungpaläolithikum (ca. 5000-1800 v.Chr.); ab da durchgängig vorhanden bis in die vorchristliche Antike: Im kretisch-minoischen Kreis ( ca. 2000 v.Chr.): Würdezeichen militärischer Führer. In Griechenland gebräuchliche Waffe mit der Bezeichnung Lagobolon" = Hasenschläger, Hasenwerfer. Für die Römer (ab ca. 500 v.Chr.) ist der Gebrauch des Wurfholzes nicht bezeugt, allenfalls bei der Landbevölkerung zur Hasenjagd. Bei der Cateia scheint es sich um eine gekrümmte Waffe mit der Eigenschaft des Wiederkehrens - also um einen Bumerang - gehandelt zu haben, die von Galliern & Teutonen (ab ca.100 n.Chr.) gebraucht wurde. Für den Norden ist das Wurfholz für die Vogeljagd nachgewiesen, etwa zur Zeit der Goten (ab ca. 100 n.Chr.). Nordskandinavien: Wurfholz seit der Jungsteinzeit (ca. 5000 v.Chr.) bekannt. Ural: Funde aus der Zeit von 2000 v.Chr Polen:
Wohl ältester Fund aus der: Deutschland:
Bumerang-Fund in den: Die Herkunft des Wurfholzes ist ungeklärt. Eine Übertragung aus außereuropäischen Kulturen ist unwahrscheinlich, jedoch ist eine Beeinflussung aus dem alten Orient (Vorderasien) anzunehmen.
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| AFRIKA | |||
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In Nordafrika ist kontinuierlicher Gebrauch des Wurfholzes seit dem Neolithikum (ab ca. 6000 v.Chr.) bis in die jüngste Vergangenheit nachweisbar. Ausbreitung wahrscheinlich von Nordosten nach Nordwesten bis zum Atlantischen Ozean (Sudan, Kamerun, Guinea, Niger, Marokko, Kanarische Inseln). Nach Süden keine genaue Abgrenzung möglich. Im Sudan lag das afrikanische Zentrum des Wurfholzgedankens. Das Wurfholz war ein charakteristisches Element der alten Steppenjägerkultur. Nach Einführung des Eisens (ca. 600 v.Chr.) Entwicklung zum Wurfmesser. In Marokko Vorkommen als Spiel- und Schmuckstück mit reichen Verzierungen. Ägypten:
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| VORDERASIEN | |||
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In den vorderasiatischen Hochkulturen (ab ca. 3000 v.Chr.) dienten Wurfhölzer als königliche Abzeichen, Hoheitszeichen der Götter und Könige und zur symbolischen Verwendung. Die Form der Wurfhölzer schien für den praktischen Gebrauch nicht geeignet. Als Bildzeichen in der Keilschrift vorhanden. Die meisten Belege stammen aus dem assyrisch-babylonischen Bereich. Weiterentwicklung des Wurfholzes zum Krummschwert. Ursprungsland Babylonien, Übertragung nach Ägypten und Griechenland; jüngste Vergangenheit: orientalischer Krummsäbel. Nach WINCKLER kam der Wurfholzgedanke aus den Hochkulturen Vorderasiens und gelangte von dort nach Europa, Afrika, Indien und sogar nach Australien; BORK behauptet, daß der australische Bumerang ein Abkömmling der babylonischen Götterwaffe sei.
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| INDIEN | |||
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Im indischen
Raum sind die Wurfhölzer nicht sehr verbreitet. Sie sind bis heute
(1949) in zwei Gebieten Vorderindiens in Gebrauch.
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| AMERICA | |||
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Im amerikanischen Raum spielten Wurfhölzer als Jagdwaffen eine große Rolle. Zum ersten Mal tauchte das Wurfholz etwa 100 n.Chr. auf, und wurde zur Kaninchen- und Entenjagd benutzt. Das Baumaterial war Holz. Es ist eine auffallende Konzentration des Wurfholzgebauchs im Südwestteil Nordamerikas festzustellen. Auf dem Umweg über den Südosten ist das Wurfholz nach Norden bis in das heutige Kanada gewandert. Dort diente es hauptsächlich als Kampfwaffe, wodurch sich auch die Form des Wurfholzes änderte und es zunehmend hackenartig geformt war. Auf dem Weg nach Süden gelangte es nach Mexiko, dort jagte man mit dem Wurfholz hauptsächlich Hasen. Zusätzlich galt das Wurfholz als Götterwaffe. Das Wurfholz kommt sporadisch auch auf dem Südkontinent vor. Im heutigen Brasilien sollen Zauberer angeblich auch Bumerangs gekannt haben.
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| OZEANIEN UND AUSTRALIEN | |||
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Auf Süd-Celebes wurden Wurfhölzer dazu benutzt, Vögel aus den Reisfeldern zu vertreiben. Auf Zentral-Celebes, Java und Sumatra sowie in Queensland dient ein aus Bambussplittern angefertigtes kreuzförmiges Wurfholz den Kindern als Spielzeug, das eine ähnliche Flugbahn wie der Bumerang beschreibt und als Kreuzbumerang in die Literatur einging, obwohl es nach LENOCHS Meinung mit einem Bumerang an und für sich nichts gemein hat". Die Bewohner der Neuen Hebriden benutzen neben den Wurfhölzern aus Holz, welche eine bogenförmige Flugbahn beschreiben, auch wurfholzförmige Steinwaffen. Australien
ist das heutige Kernland des Wurfholzes, es ist jedoch nicht in allen
Gebieten Australiens anzutreffen. So fehlt das Wurfholz im Das Vorkommen des echten Bumerangs ist auf den Osten und Südosten sowie auf Südaustralien beschränkt. Er ist bei weitem nicht so verbreitet wie das Wurfholz und findet sich immer mit dem Wurfholz vergesellschaftet. In der äußeren Form unterscheidet sich der Bumerang nur wenig vom Wurfholz, selbst Eingeborene müssen zur Unterscheidung die Flugprobe machen.
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| FAZIT | |||
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Eine zusammenfassende Bewertung von LENOCHS Arbeit aus heutiger Sicht fällt schwer. Dies umso mehr, als bei der Lektüre der Arbeit immer von den dem Autor eigenen Definitionen ausgegangen werden muß. Neuere Arbeiten, wie die von H. PETER, setzen sich mit den Problemen der Definitions- und Abgrenzungsversuche entschieden spezieller und filigraner auseinander, auch wenn die Ergebnisse für den flüchtigen Leser nicht unbedingt faßbarer bzw. klarer und eindeutiger werden. Bezogen
auf die damalige Zeit hat LENOCH jedoch äußerst umfangreiche
und aufwendige Literaturstudien betrieben, und seine weltweiten geographischen
Klassifizierungsversuche sind bis heute zu diesem Thema einmalig. |
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| BORK,
F.: Planetenreihen. In: Zeitschrift für Ethnographie 59, Berlin
1927 PETER, H.: Wesen und Bedeutung des Bumerangs. Wien 1986 WINCKLER, H.: Himmel, Kalender und Mythus. Altorientalische Forschungen II, 1898-1900 |
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Zur besseren
zeitlichen Einordnung wurden - soweit möglich - von uns Jahreszahlen
in den Text eingegeben. LENOCHS Dissertation kann über die Fernleihe
bei der Universitätsbibliothek Wien ausgeliehen werden.Es entstehen
geringe Versandgebühren und evtl. eine Gebühr für eine
Transportversicherung. Leider war 1992 der zur Dissertation gehörende
Bildband nicht auffindbar. Beachtlich lang ist LENOCHs Literaturliste
(ca. 30 DIN A 4 Seiten). Der Text
wurde Zusammengestellt von:
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| Wir
danken auch ganz herzlich der Firma "Dynamic
Computer Solutions" für die uns zu verfügung gestellten
Bilder aus der außergwöhlichen CD- Rom "Echos of Australia".
Eine sehr bemerkenswerten CD- Rom zum Thema Bumerang. |
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